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PMS KIDS für Ärzte

Studie zur Wirksamkeit der KIDS Methodik

PMS KIDS ist eine vom Gemeinsamen Bundesausschuss geförderte ambulante Versorgungsstudie, die die Wirksamkeit eines best-practice Verfahrens bei stotternden Grundschulkindern überprüft. Sie unterscheidet sich wesentlich von anderen Studien, da wir die ambulante Versorgungssituation unter Alltagsbedingungen untersuchen, um daraus Empfehlungen für eine bestmögliche Versorgung stotternder Kinder zwischen 7 und 11 Jahren abzuleiten. Auf dieser Seite finden Sie weitere ausführliche Informationen.

Sie haben Fragen zur Studie?

Rufen Sie uns gerne an unter:

0251 83 65892

Die Rahmenbedingungen von PMS KIDS.

Wofür steht PMS KIDS?

PMS KIDS ist die Abkürzung für “Prospektive multizentrische Studie zur Wirksamkeit ambulanter Stottertherapie nach dem Stottermodifikationsansatz KIDS“. Die Studie ist im Oktober 2018 gestartet und hat eine dreijährige Laufzeit bis zum 30. September 2019. PMS KIDS ist bundesweit ausgerichtet, das heißt es können Eltern und Kinder aus dem gesamten Bundesgebiet teilnehmen, wenn sie ihr Kind in einer sprachtherapeutischen Einrichtung ambulant behandeln lassen.

Zentral geht es in dieser Studie um die Wirksamkeit des Stottertherapieverfahrens KIDS, Kinder Dürfen Stottern von Peter Schneider und Patricia Sandrieser, welches vor etwa 20 Jahren entwickelt wurde und laut einer Umfragen unter 70 Sprachtherapeuten (Kohmäscher, 2017) von etwa 90% zur Behandlung stotternder Grundschulkinder eingesetzt wird.

Von wem wird PMS KIDS finanziert und organisiert?

Studie wird organisiert durch die die Fachhochschule Münster (Prof. Dr. Anke Kohmäscher) und die Uniklinik der RWTH Aachen (Prof. Dr. Stefan Heim) und finanziert über den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) (https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/versorgungsforschung/). Unterstützt wird die Projektarbeit in Münster von zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern und einer studentischen Hilfskraft sowie in Aachen von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter und einer studentischen Hilfskraft.

In welcher Form wird die ethische Unbedenklichkeit des Projekts sichergestellt?

Das Projekt wurde von der Ethikkomission des Deutschen Bundesverbands der akademischen Sprachtherapeuten (dbs e.V.) begutachtet und ein positives Ethikvotum erteilt. Zur Sicherstellung der Patientenautonomie werden Eltern und Kind mündlich und schriftlich über die Studie und die Teilnahmebedingungen aufgeklärt und müssen beide ihr schriftliches Einverständnis erteilen. Eine Beendigung der Studienteilnahme ist jederzeit ohne Angabe von Gründen möglich. Zusätzlich sind teilnehmende Therapeuten dazu aufgefordert, ein Ende der Studienteilnahme zu veranlassen, sobald ein anderes Therapiekonzept indiziert ist oder eine neue/veränderte Indikation ein therapeutisches Vorgehen erfordert, dass nicht mit PMS KIDS vereinbar ist.

Studienmethodik 

Hier erfahren Sie mehr über den Hintergrund und Studienaufbau (Methodik) von PMS KIDS.
Warum wird diese Studie durchgeführt?

Stottern betrifft ca. 1% der Bevölkerung und tritt bei Grundschulkindern mit etwa 1,4% noch häufiger als im Erwachsenenalter auf. In schweren Fällen kann Stottern die Kommunikation vollständig verhindern, jedoch wirkt es sich auch in leichteren Fällen teilweise erheblich auf u.a. schulische Leistungen, spätere berufliche Möglichkeiten und die soziale Integration aus (Natke & Alpermann, 2010). Die Chance auf eine Spontanremission ist für Grundschulkinder mit etwa 50% geringer als im Vorschulalter (Yariri & Ambrose, 2004) und sinkt ab der Pubertät rapide. Damit sind wirksame Stottertherapien für Grundschulkinder, die entweder in früherem Alter keine Therapie benötigten oder davon unzureichend profitierten, im Hinblick auf die späteren Folgen essentiell. Ein systematischer Review im Rahmen der aktuellen S3-Leitlinie für Redeflussstörungen zeigte, dass insbesondere für diese Altersgruppe die Evidenzlage äußerst unzureichend ist: „Für 6- bis 12-Jährige liegt bislang keine solide Evidenz für irgendeine Behandlung vor.“ (DGPP, 2016, S. 12). Die wenigen vorliegenden Studien fokussierten zudem intensive Gruppenmaßnahmen und bilden damit nicht die typische ambulante Versorgungssituation in sprachtherapeutischen Einrichtungen ab.

Was ist das Ziel von PMS KIDS?

Ziel von PMS KIDS ist es, die Wirksamkeit des Therapieverfahrens KIDS bei 7- bis 11-jährigen stotternden Kindern über einen Zeitraum von 12 Monaten zu überprüfen. Basierend auf der inhaltlichen Konzeption von KIDS gilt das psychosoziale Befinden als primäre Outcome-Variable, während die äußerlich wahrnehmbare Stottersymptomatik als sekundäre Outcome-Variable erfasst wird.

Wie ist das Studiendesign?

Als Studiendesign wurde eine randomisierte, klinische Interventionsstudie konzipiert (siehe Abbildung). Die beiden Studienarme unterscheiden sich durch den Therapiebeginn, der in der Warte-Kontrollgruppe um 3 Monate verzögert beginnt. Durch den verzögerten Therapiebeginn dieser Gruppe sind sowohl Unterschiede zwischen den Gruppen zu T1 als auch innerhalb der Gruppen nach 3 Monaten Therapie (grüne Kreise) analysierbar. Weitere Therapieveränderungen innerhalb der Gruppen werden nach 6 Monaten (gelbe Kreise) und 12 Monaten Therapiedauer (blaue Kreise) gemessen.

Aufgrund der Heterogenität der Behandlungsverläufe sowie der zunehmenden Chronizität des Stotterns in diesem Alter gibt es keinen festgelegten Therapieendpunkt. Der gewählte Betrachtungszeitraum erlaubt dennoch sinnvolle Aussagen, da mit Abzug von Ferien- und Krankheitszeiten innerhalb eines Jahres ca. 50 Therapieeinheiten absolviert werden, was der Regelversorgung im aktuellen Heilmittelkatalog (50 Therapieeinheiten, Frequenz: 1-2 Mal pro Woche) entspricht.

Wie erfolgen die Messungen? 

Der Ablauf und die Inhalte der Messungen sind für jeden Zeitpunkt identisch und erfolgen durch Projektmitarbeiter in den jeweiligen sprachtherapeutischen Einrichtungen, in der die Therapie stattfindet. Dabei führt eine wissenschaftliche Mitarbeiterin mit dem Kind ein ca. 10- bis 15-minütiges Gespräch, welches auf Video aufgezeichnet wird. Falls das Kind bereits lesen kann, wird es zusätzlich gebeten, einen ca. einseitigen Text vorzulesen. Im Anschluss erfolgt eine Auswertung anhand des Stuttering Severity Instruments (SSI-4, Riley, 2009).

Im Anschluss wird der Fragebogen OASES-S (Fragebogen zur Erfassung der Erfahrungen von stotternden Kindern; Euler et al., 2016) bei dem Kind abgenommen. Dabei werden 60 Fragen vorgelesen und das Kind entscheidet sich jeweils anhand einer fünfstufigen Skala, wie sehr diese Frage zum Erleben seiner/ihrer Stottersymptomatik passt. Zum Abschluss werden die Eltern gebeten, den aktuellen Schweregrad des Stotterns ihres Kindes auf einer Skala von 1 bis 10 einzuschätzen. Die Anwesenheit der Eltern bei den maximal einstündigen Untersuchungen ist ihnen freigestellt.

Um die zeitliche und situative Variabilität der Stottersymptomatik zu berücksichtigen, werden die Eltern zusätzlich aufgefordert, in zwei unterschiedlichen Sprechsituationen eine zehnminütige Sprachaufnahme ihres Kindes anzufertigen.

Wie setzt sich die Stichprobe zusammen?

Eine a priori durchgeführte Poweranalyse ergab eine notwendige Stichprobengröße von 52 Kindern. In Erwartung einer bis zu zwanzigprozentigen Drop-out-Quote werden etwa 70 Probanden rekrutiert. Um auf diese Stichprobengröße zu kommen werden zu Studienbeginn ca. 30 Sprachtherapeuten in die Studie aufgenommen.

Die Einschlusskriterien für PMS KIDS wurden bewusst liberal gehalten:

  • Alter zu Beginn der Studie zwischen 7 und 11 Jahren (Grundschulklasse 1 bis 4)
  • mindestens milde bis mäßige Beeinträchtigung durch das Stottern im Fragebogen OASES-S (Überprüfung zum ersten Messzeitpunkt seitens eines Projektmitarbeiters)
  • ausreichende Deutschkenntnisse des Kindes und der Eltern für eine Therapie nach KIDS (Überprüfung durch den/die behandelnde/n Therapeuten/in)

Ausschlusskriterien

  • weitere neurologische, sprachliche, emotionale oder verhaltensbezogene Auffälligkeiten, die die Durchführung einer Stottertherapie nach KIDS verhindern

Eine Therapie weiterer sprachlicher Aspekte (z.B. Lispeln, Schluckstörung, Lese-Rechtschreibschwäche) darf parallel zur Stottertherapie erfolgen.

Wie erfolgt die Therapie?

Vor Studienbeginn wird, basierend auf der Veröffentlichung zum Therapieverfahren KIDS (Sandrieser & Schneider, 2015), ein Manual zum therapeutischen Vorgehen durch die Autoren erstellt. KIDS zielt primär auf einen Abbau der Sekundärsymptomatik und psychischer Reaktionen auf Stottern, so dass ein lockeres, anstrengungsfreies Stottern etabliert werden kann. Es wird davon ausgegangen, dass Kinder dadurch eine Remission leichter erreichen können. KIDS besteht in zwei ähnlichen Varianten für Vorschulkinder (Mini-KIDS) und für Grundschulkinder (Schul-KIDS). Das dieser Studie zu Grunde liegende Schul-KIDS wendet sich an Kinder zwischen 7 und 12 Jahren und beinhaltet mehre aufeinanderfolgende Phasen: 1) Informations- und Vertragsphase, 2) Desensibilisierung, 3) Identifikation, 4) Modifikation und 5) Generalisierung.

Die Autoren empfehlen für die ambulante Anwendung von Schul-KIDS mindestens einmal wöchentlich eine 45-minütige Therapiesitzung. Für PMS KIDS wird innerhalb der ersten 3 Monate diese Intensität vorgegeben, um die Vergleichbarkeit sicherzustellen. Im Anschluss wird den Therapeuten freigestellt, ob sie eine Frequenz von 1 oder 2 wöchentlichen Therapiesitzungen handhaben.

Ein einheitliches, manualgetreues Vorgehen der Therapeuten wird über eine initiale Schulung und anschließende Supervisionstermine im Abstand von 6 Monaten sichergestellt.